Rebell - Ein Pferd, ein Mädchen, eine Freundschaft

Das einödige Montana, eine wilde Pferdeherde und ein pferdeverrücktes Landmädchen - eigentlich alles Dinge, mit denen Melinda Hensington nicht viel anfangen kann. Doch aufgrund eines Umzugs muss sie sich mit ihnen anfreunden. Und das geht schneller, als sie gedacht hätte. Mit der unkomplizierten Lauren entdeckt sie die Plains - und beginnt, sich für den mysteriösen Anführer einer Mustangherde zu interessieren. Die Idylle trügt jedoch, und schon bald ist Melinda in ein pferdiges Problem verwickelt, aus dem ihr ausgerechnet Lauren nicht helfen kann...

 

Mein zweites Buch dreht sich ganz um mein 'Steckenpferd' - die wilden Mustangs! Es hat ca. 200 Seiten, eine Veröffentlichung es aber - wenn - nur als E-Book in Sicht.


Leseprobe...

Sie schlief unruhig in der kommenden Nacht. Rebell hatte sich nicht blicken lassen. Ob er wohl spürte, dass sich die Gefahr näherte? Morgen begann das Round-up in Wyoming, das wusste Melinda. Vermutlich würden die Hubschrauber dann nordwärts wandern, auf ihrem Weg die wilden Herden Wyomings zusammentreiben und schließlich über Montana die Herden der Pryor Mountains, auch Arrowheads genannt, zusammentreiben.

 

Auch in der kommenden Woche tauchte Rebell nie hinter dem Haus der Hensingtons auf. Manchmal, an besonders heißen Tagen, blies der Wind den sandigen Staub über den trockenen Boden und Melinda meinte, die Herde galoppieren zu sehen, aber jedes Mal war es nur ein Windhauch, der sie Geister sehen ließ.

 

Lauren kehrte am Mittwoch von ihrem Familienbesuch zurück. Bereits am Donnerstag fuhr Melinda mit ihrem Vater zum Ferienpark, um mit ihr zu sprechen.

 

Wie immer fand sie Lauren in den Ställen. Fluchend bearbeitete sie das dreckige Strohbett einer leeren Box mit der Mistgabel. Als sie Melinda entdeckte, sandte sie ihr einen kurzen Gruß zu und machte dann ihrem Ärger Luft.

 

„Schau‘ dir diese Sauerei an! Während wir weg waren, wurde nicht ein einziges Mal saubergemacht! Jasco hat währenddessen schon leichten Satteldruck bekommen und Flora“, sie wies auf eine hellbraune Stute, die ein paar Boxen weiter stand, „hatte diese Nacht erst mal eine schlimme Kolik. Der Urlaubsvertreter, der eigentlich Ersatzbademeister ist, hat einfach vergessen, zu füttern!“

 

Melinda musterte die Streu. Pferdeäpfel waren in der ganzen Box verstreut und es roch beißend nach Urin.

 

„Ich wünschte, ich könnte dich aufmuntern“, begann sie, „aber ich hab‘ auch nur schlechte Nachrichten. Die Mustang-Round-ups haben vor ein paar Tagen begonnen.“

 

Lauren sah sie an. In ihrem Blick war weder Überraschung, noch Empörung zu sehen.

 

„Ich weiß. Viele halten die heiße Zeit als besonders geeignet, weil die Pferde dann früher erschöpfen.“

 

„Aber was sollen wir denn tun!? Ich will auf keinen Fall, dass Rebell und seine Herde im Pferch landen! Du hast doch gesagt, die meisten gefangenen Pferde…“

 

„Melinda, da kann man nichts tun. Das BLM, und wenn es dicke kommt auch irgendwelche Möchtegern-Cowboys fangen alle Pferde ein, die sie auftreiben können. Egal, wie schön und wild sie sind. Und sie interessieren sich auch garantiert nicht dafür, dass du dich mit einem der Tiere telepathisch angefreundet hast!“

 

Das war hart. Unerbittlich bombardierte Lauren sie mit Fakten, die Melinda bisher nicht wahrhaben wollte. Aber natürlich hatte sie recht.

 

„Das Einzige, was du tun kannst, ist, ihn zu kaufen. Aber es sind ja nicht nur die 125 Dollar… Futter, Weideland, Ausrüstung – da kommen durchaus ein paar Tausend im Jahr zusammen. Abgesehen davon, dass er unreitbar wäre. Er würde einfach nur vor sich hin fristen und den Zaun niederrennen!“

 

„Ich würde ihn freilassen!“, sagte Melinda kleinlaut.

 

„Das darfst du nicht einfach so. Außerdem – wie würde dir das helfen? Beim nächsten Round-up wird er wieder eingefangen. Willst du jedes Mal 125 Dollar bezahlen!? Abgesehen davon, dass seine Herde dann nicht mehr da ist. Für ein einzelnes Pferd gibt es viele Gefahren da draußen!“

 

Beschämt senkte Melinda den Kopf. Sie kam sich kindisch und dumm vor, im Gegensatz zu Lauren, die bereits wie eine Erwachsene schuftete und dachte. Soeben war ihr alle Hoffnung geraubt worden und sie hatte einsehen müssen, dass es keinen Ausweg gab.

 

„Schau‘ dir lieber mal die Pferde hier an“, sagte Lauren nun ruhiger, „sie haben deine Hilfe genauso nötig!“ Sie stellte die Mistgabel zur Seite und ging hinüber zu einem gescheckten, kleinen Wallach, der gelangweilt an seiner Tür herum biss. Als sie näher kam, bemerkte Melinda hässliche, rote, offene Stellen auf seinem Rücken.

 

„Das ist Barney. Er hat schlimmen Satteldruck von einem viel zu kleinem Sattel. Feasle hat ihn eine Woche lang stehen gelassen. Einfach nur in der Box, ohne jeglichen Auslauf. Und weißt du was? Morgen soll er wieder nach draußen gehen, mit dem gleichen Sattel!“ Lauren ging weiter und kam zu einer nervösen Rappstute, die sofort die Ohren anlegte, als sie die beiden Mädchen bemerkte.

 

„Queen. Sie ist auf einem Auge blind, auf dem anderen stark eingeschränkt. Eigentlich könnte sie ein wunderbares Reitpferd sein, aber die Urlauber beachten ihre Behinderung oft gar nicht. Schnelle, abrupte Bewegungen treiben sie in den Wahnsinn, ebenso Reiter, die heftig an den Zügeln ziehen oder von hinten dauernd etwas rufen. Inzwischen ist sie fast unberechenbar. Feasle will sie aber partout nicht wegschicken, denn sie stammt von einem sehr guten Hengst ab und hat einiges gekostet. Dabei wäre selbst der Abdecker für die Stute besser als dieser Betrieb. Obwohl sie mit einem guten Training noch ein schönes Freizeitpferd für ein junges Mädchen oder so sein könnte…“

 

Melinda vermutete, dass es unzählige solcher Fälle auf der High Valley Ranch gab. Zwar hatten diese Pferde noch eine Garantie, nicht am nächsten Tag beim Schlachter zu sein, aber vielleicht wäre für manche selbst der Schlachter besser als das triste Dasein als Leihpferd unter Feasles Regiment.

 

„Lauren, es tut mir leid, dass ich dich mit den Mustangs so genervt habe. Ich hatte ja keine Ahnung…“

 

„Schon gut. Jeder von uns hat so sein Steckenpferd, meines sind eben diese Pferde hier, dei­nes die Wildpferde. Außerdem – wer will schon nicht, dass die Wildpferde weiter frei leben können!?“

 

„Feasle und das BLM“, knurrte Melinda leise, aber nicht leise genug.

 

„Ach, das BLM macht nur seinen Job. Ich glaube, es ist nichts für zart besaitete, die Wildpferde gedankenlos ans Messer zu liefern. Immerhin ist die Massenschlachtung nun wieder erlaubt… Oh, tut mir leid, dass hätte ich nicht sagen sollen!“

 

„Wieso denn nicht, es entspricht doch der Wahrheit!“ Melinda hasste es, von jemandem angelogen zu werden, der sie schonen wollte. Obwohl es ihr das Herz fast brach, war es besser, die Fakten zu wissen. Egal, wie hart sie waren.

 

„Komm, wir sollten aufhören, Trübsal zu blasen. Jasco und Flash sind heute beide nicht draußen, wir können ausreiten! Vielleicht treffen wir ja wieder die Mustangs…“

 

 

 

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