Die Schatten der Sommerstürme [Arbeitstitel]

Die lang ersehnte Fortsetzung zu 'Wild wie der Westwind'...

Gerade glaubt Mallandra, auf dem Gestüt ihres Onkels ein endgültiges Zuhause gefunden zu haben, da zieht John schon das nächste Abenteuer aus dem Ärmel: Sie soll Wild Whisper und vier weitere Rennpferde den Sommer über auf eine Rennbahn in Ohio begleiten, gemeinsam mit Trainer Nick, Rennreiterin Angie und dem kauzigen alten Pferdepfleger Darvey Lombards. Doch auf der fremden Rennbahn warten nicht nur neue Konkurrenten und aufregende Rennen, sondern auch die Schattenseiten des Galopprennsports - und Mallandras eigene Vergangenheit ...

Mein fünftes Buch und noch blutjung und ungelesen... Natürlich soll es mal in die Fußstapfen seines Vorgängers treten, aber bis dahin liegt noch ein weiter Weg vor dem unbearbeiteten Manuskript: Testleser, Korrekturen und und und...

Aber da Warten lohnt sich: es werden etwa 400 Seiten!

 

Erscheinungstermin: Winter 2014!

ca. 370 Seiten



Leseproben...


Sie ließ Windfang laufen. Zwar hatte er den ganzen Tag Freigang, aber Mallandra hatte das Gefühl, dass er den Ritt mindestens genauso genoss wie sie. Hinter dem Gestüt gab es herrliche weite Galoppstrecken, Wege, die kein Auto je befahren hatte und die jetzt mit den geheimnisvollsten Mustern bemalt wurden, wenn die Schatten der Blätter im Wind tanzten.

Sosehr sie es liebte, mit Wild Whisper über die Rennbahn zu rasen, mit Windfang die Felder unsicher zu machen war doch noch etwas ganz anderes. Seine Sprünge waren schneller, unruhiger, Mallandra musste fest in die Mähne greifen, wenn er wirklich Tempo aufnahm, aber er ließ sich immer anstandslos parieren und erschreckte sich vor nichts und niemandem.

Manchmal kamen ihr die grünen Wiesen dennoch ein bisschen trist vor, einfach, weil sie sich an jene schroffe Landschaft erinnerte, die sie früher mit Windfang durchstreift hatte – die Prärie von Montana. Dort hatte es zwar keine schattigen Wäldchen gegeben, keine hübschen weißen Zäune, keine kleinen Seen, die an einem so windstillen Tag wie verzaubert in der Sonne oder gut verborgen im Wald lagen, aber es hatte Freiheit gegeben, grenzenlose Freiheit, und es war ihre Heimat gewesen, seitdem sie geboren worden war.

Mit Wild Whisper durfte sie nicht mehr oft ins Gelände. Natürlich, sie hatte einen Stein im Brett bei seinem Trainer und bei seinem Besitzer, aber das änderte nichts daran, dass der Hengst inzwischen einige Tausend Dollar wert war und dementsprechend behandelt werden sollte. Lange Ausritte passten einfach immer seltener in sein Trainingsprogramm.

Mallandra wusste, dass sie froh sein sollte. Sein Erfolg und seine Zeiten garantierten ihm den dauerhaften Verbleib auf der Farm, und das war wichtiger als alles andere. Mallandra erinnerte sich noch gut an den letzten Sommer, als sie ständig befürchtet hatte, John würde den Hengst kurzfristig zum Schlachter karren lassen …

Sie parierte Windfang durch und ließ ihn kurz an einem kleinen Bach trinken. Er war nicht wirklich außer Atem, senkte aber dankbar den Hals.

Er würde ein gutes Distanzpferd abgeben,

dachte Mallandra und ärgerte sich sofort über sich selbst. Jetzt dachte sie auch schon so wie alle anderen auf dem Gestüt, in Disziplinen und Erfolgen, Wettkämpfen und Platzierungen. Dabei war es doch das hier, was Reiten für sie wirklich bedeutete, der Galopp über die freien Felder, das hundertprozentige Einverständnis mit dem Pferd.

Ganz hundertprozentig schien es allerdings doch nicht zu sein. Mit einem Ruck riss Windfang Mallandra die Zügel aus der Hand und begann, genussvoll die Grasbüschel am Rande des Bachs auszureißen.

„He, Dicker, an die Snackbar darfst du später! Man könnte meinen, Johns Oldies würden dir kein Gras übriglassen!“, schalt Mallandra ihr Pony liebevoll, ließ es aber noch zwei Minuten grasen, bevor sie den Schecken wendete und in langsamem Trab in Richtung Gestüt ritt. Bei jedem anderen Pferd wäre ein Trab ohne Sattel eine Qual, aber Windfangs Gänge waren weich und angenehm auszusitzen.

Hoch zu Pony ritt sie auf den Hof ein, wo jetzt schon die ersten Pferde für das Abendtraining gesattelt wurden. Im Sommer fand mittags nur selten Training statt, zu unerbittlich brannte die Sonne dann auf die Bahn nieder.

Mallandra nahm Windfang die Trense ab, streifte ihm ein Halfter über und begann dann, ihn ausgiebig zu bürsten. Sobald Ferien waren, würde sie das auch bei Wild Whisper wieder täglich machen, morgens und abends, und sie könnte ihn dann selbst reiten, wenn John ihm eine Pause gab. Er lief so gut in letzter Zeit, ein, zwei Ferientage würden ihm sicher nicht schaden …

Nach einer halbe Stunde stellte sie schließlich fest, dass die Kardätsche doch noch nicht an ihrer Hand festgewachsen war, warf sie in die Box, die sie für Windfang eingerichtet hatte und führte ihr Pony wieder in Richtung Nordkoppel, wo die ausgedienten Vollblüter ihren Ruhestand verbrachten. Bis auf wenige Ausnahmen wurden sie nachts in den Stall geholt, nur zwei ältere Führpferde leisteten Windfang dann noch Gesellschaft. Mallandras Pony kannte keinen Stall und trotzte auch den kühlsten Nächsten, den zornigsten Stürmen und den heftigsten Regengüssen.

Sie hatte war gerade erst um die Ecke des Hauptstalls gebogen, da kam ihr Nick entgegen. Er schwenkte eine Führleine und wäre fast gedankenverloren in Windfang hineingerannt.

„Oh, Mallandra, schon zurück!?“

„Schon ist gut. Ich war eineinviertel Stunden weg und habe dann noch eine halbe Stunde geputzt. Und jetzt wartet Mathe …“, Mallandra verzog das Gesicht.

„Whispers Training hat sich sowieso um eine halbe Stunde verschoben. Du kannst also in Ruhe lernen und essen, bevor du ihn wieder bewachst. Obwohl das wirklich nicht nötig wäre, inzwischen spielt er sich doch kaum noch auf!“

Ohne, dass es Mallandra aufgefallen war, hatte sich Nick umgedreht und ging jetzt neben ihr in Richtung Nordkoppel, wo er eigentlich gerade herkam.

„Ich will aber dabei sein!“, beharrte Mallandra trotzig. „Ich kriege ihn ohnehin kaum noch zu Gesicht. Wenn bloß endlich die Sommerferien anfangen würden …“

„Darüber wollte ich noch mit der reden“, merkte Nick an.

„Über die Sommerferien?“, fragte Mallandra verdutzt.

„Ja.“

„Was ist denn mit den Sommerferien?“

„Naja … es kommen wieder ein paar Pferde auf die Bahnen. Und diesen Sommer sind einige meiner Trainingspferde so weit, das heißt, ich werde wahrscheinlich fast drei Monate mit ihnen unterwegs sein.“

„Oh. Und wer übernimmt dann Wild Whispers Training?“, fragte Mallandra perplex. Natürlich hatte Nick immer wieder angekündigt, dass er irgendwann mit seinen Pferden auf die Rennbahnen fern des Gestütes geschickt werden wurde. Das Gestüt besaß zwar hervorragende Trainingsmöglichkeiten, aber wenn ein Pferd sich dem Zenit seines Könnens langsam näherte, bestand die Arbeit eines Trainers ausschließlich darin, Siege zu erwirtschaften, und Siege konnte man nun mal nur auf der Rennbahn holen.

Die Saison in Keeneland war längst vorbei und so hielt man nach anderen Geläufen Ausschau.

Allerdings wurden längst nicht alle Pferde verschifft, viele würden erst im Winter oder nächstes Jahr das Gestüt verlassen. Während ihre regulären Trainer abwesend waren, bereiteten andere sie auf ihre großen Aufgaben vor.

Mallandra hoffte innigst, dass Wild Whisper zu diesen Pferden gehörte. Vielleicht war Nick ja auch gekommen, um zu sagen, dass Whisper erst einmal im Training pausieren sollte, bis er zurückkam. Schließlich war allgemein bekannt, wie der Hengst sich aufspielte – und, wie die Nichte des Gestütsbesitzers Tag für Tag über ihn wachte, in den Ferien noch strenger als zuvor.

Ja, das würde es sein. Wild Whisper bekam eine redlich verdiente Pause. Ein aufgeregtes Kribbeln stieg in Mallandra auf, während sie sich den kommenden Sommer in noch schillernderen Farben ausmalte, ein Sommer, der ausschließlich aus Ausritten bestehen würde, aus Sonne und lauen Nächten und Wild Whisper …

„Naja, darüber wollte ich eigentlich gerade mit dir reden …“, begann Nick und kratzte sich verlegen im Nacken, als fürchte er die Wirkung der Nachricht, die er zu überbringen hatte.

„Es ist nämlich so … Wild Whisper ist eines der vielversprechendsten Pferde, die ich im Moment im Training habe. Die meisten anderen sind noch zu jung, die können erst im Winter laufen. Du weißt doch, wie gut er letztens gelaufen ist …“

Er brach ab und musterte sie vorsichtig von der Seite.

Es dauerte einen Moment, bis der Sinn hinter seinen Worten zu Mallandra durchgedrungen war.

„Du willst ihn mitnehmen“, stellte sie tonlos fest.

Nick nickte. „So sieht’s aus.“

„Warum hast du mir das nicht vorher gesagt? Heute Morgen zum Beispiel?“, fragte Mallandra, während sie versuchte, ruhig zu bleiben. Sie verkrampfte ihre Finger ein bisschen fester um Windfangs Führstrick, der sie irritiert mit der Nase anstupste.

„Ich wusste noch nicht, wie viele Pferde ich mitnehmen darf. Außerdem wusste ich, dass du dann wahrscheinlich die Schule schwänzen würdest, um mich bei John anzuschwärzen.“

Ja, irgendwo hatte er recht. Trotzdem hatte er Mallandra mehr als überrumpelt.

„Steht es schon fest?“, fragte sie.

„Ziemlich. John hat Boxen reservieren lassen und überlegt jetzt, wen er mit nach Ohio schickt."

„Ohio also?“

„Ja. Die Bahn ist nicht aus der Welt, aber sie verspricht eine gute Saison. Genau die richtige, um ein unerfahrenes älteres Pferd an den Betrieb heranzuführen und es einmal auf den Prüfstand zu stellen.“

Ohio. Nicht aus der Welt. Aber fern genug.

Mallandra beschleunigte ihre Schritte und zupfte ungeduldig an Windfangs Leine, der mit dem Gras am Wegrand liebäugelte.

„Hör zu, Mallandra, ich weiß, du bist jetzt sauer. Aber Wild Whisper ist nun mal ein Rennpferd und er läuft einfach zu gut, um ihn weiter hier im Stall versauern zu lassen. Denk doch mal nach! Er braucht das, das Rennen, den Wettkampf, das Adrenalin …“

„Kein Pferd der Welt braucht Rennen und Wettkämpfe!“, stieß Mallandra hervor. „Das ist immer nur die Lüge, die ihr der restlichen Welt auftischt, um eure Goldeselhaltung zu rechtfertigen!“

Sie beschleunigte abermals. Als Nick nicht von der Seite des Ponys wich, sondern einen weiteren Versuch startete, auf sie einzureden, sprang sie leichtfüßig auf Windfangs Rücken, drückte ihm die Fersen in die Flanken und trabte davon.

Nick blieb mit offenem Mund zurück.

Er verfluchte den Tag, an dem diese geballte Ladung Sturheit auf den Hof gekommen war und sich in seinen Job eingemischt hatte.

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